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Ein Leben ohne Smartphone?




Ich finde, es ist eine Sache, sich für etwas zu entscheiden, und eine andere, wenn etwas passiert, mit dem du nicht gerechnet hast, aber mit dessen Konsequenz du leben musst. Ein Leben ohne Instagram ist toll. Ein Leben ohne Smartphone mühsam.


Es begab sich also zu der Zeit, dass ich nach Hawaii flog um aus meinem bisherigen Leben Abstand zu gewinnen, mich neu zu sortieren. Ich setzte die Intention, auf Hawaii zu schreiben. Ich wollte wieder mehr in Kontakt mit meinen schreiberischen Fähigkeiten treten, denn die Zeit habe ich ja nun dank meinem Abgang bei Instagram. Die Zeit hätte ich vorher auch gehabt, nur war ich einfach zu okupiert und schwach, wirklich diszipliniert an meinen Texten und Meditationen zu schreiben. Als ich Anfang Mai so krank wurde, war mir klar, dass etwas nicht mehr stimmte in meinem Dasein, dass mich etwas in mir rief, das ich schon lange rufen haben lasse.


Manchmal fragen mich Menschen, wie ich so bewusst sein kann, aber dann doch gewisse Dinge nicht wahrnehme?! Nun ja, ich bin eben ein Mensch, mit übernatürlichen Fähigkeiten, aber eben in aller erster Linie einfach Mensch. Ich vergesse, verpeile, verdränge und ignoriere Dinge genauso wie jeder andere. Aber ich mache all das mit Bewusstsein. Ich weiß, wenn ich mich meinen Themen nicht zuwende, wenn ich prokrastiniere und mich ablenke. Ich weiß genau, wann mein Ego agiert und wann ich aus meinem höchsten Sein spreche. Und doch mache ich manchmal das, von dem ich weiß, dass es eventuell nicht das Beste für mich ist. Weil ich Bock habe.


Ich habe 2023 ein Buch begonnen, es sollte August 2023 fertig sein. Wir haben jetzt Juni 2024. Mein geistiges Team riet mir sehr stark, das Buch in den Fokus zu nehmen. Meine lieben Klienten und Freunde aus meiner Ausbildungsgruppe channelten allesamt für mich, dass ich das Buch fertig stellen möge, das ich schreiben möge, dass ich sowieso wieder mehr mit Stimme und dem geschriebenen Wort agieren dürfe. Was habe ich getan? Naja, sagen wir mal so, ich habe es charmant, aber wirklich charmant, mit gewieften Ausreden ignoriert.


Ich sage euch, diese Ignoranz hat mein Smartphone nun aufgefressen. Denn wenn man kein Instagram mehr hat, wozu sollte man dann noch tausende Fotos machen? Für den Fall, dass ich doch wieder zurück kehre auf die Plattform? Randnotiz: Fotos sind auch schön einfach nur zum Angucken.

Wie es sich zugetragen hat, das mein Mobiltelefon Opfer einer Salzwasserattacke geworden ist, schildere ich kurz und knapp: Ich wollte ein tolles Video so nah wie möglich am Wasser aufnehmen. Ops, da war die Kamera im Wasser, nur die Kamera, und sie nahm weiter auf und ich dachte nur „Wow geil, ein Unterwasser Video!“ Nach 30 Sekunden zog ich das Telefon nach oben und sprach lächelnd zu mir, "Das hat ja prima geklappt." 30 Minuten später flackerte der Bildschirm und ich sah ein schwarzes Display. Ich blieb (noch) ganz ruhig denn ich hatte gelesen, das Reis helfen soll.


Ich wandere also die Strecke zu meinem Auto zurück. Sie verläuft über ein wunderschönes Lavafeld an einer Bucht mit kleinen Frischwasser Teichen mit kleinen Fischen und vielen Schildkröten. Ich habe sie alle auf Video. Sogar einen kleinen Hai habe ich gesehen. Und alles ist auf meinem Telefon, auschließlich auf meinem Telefon, ohne Backup. Generell habe ich seit Monaten kein Backup gemacht. Wird schon alles gut werden, dachte ich.


Auf dem Weg zurück zum Haus kaufe ich Reis in einem Gourmet Markt. Hawaii ist ein interessanter Ort zwischen purer Amerikanisierung und lemurischem ausserirdischem Paradies. Bei den Preisen hier schlackern mir die Ohren. Alles drei mal so wertvoll wie in good old Germany.


Mein Handy wird 2,5 Tage in Reis liegen, dann wird es mir sagen, dass es geladen werden möchtem dann wird es vortäuschen, dass es angeht in dem es das Apple Logo zeigt und dann wird es im Wechsel immer an und ausgehen, aber nie vollkommen hochfahren. Es ist gefangen in einem Boot-Loop, was auf einen Software und Hardware Fehler zurückzuschließen ist (wie ich ausführlich recherchiert habe). Es hat keine Kraft mehr, mich glücklich zu machen. Es ist im iphone Himmel, vorerst. Es hat alle meine Fotos, Vides, Podcast Audio Dateien, Texte und Kontakte mitgenommen.


Mein iphone ist voll und doch leer, so wie ich. Eine tiefe Frustration breitet sich aus, denn das bedeutet, ich muss alles von vorn beginnen. Alles. Das iphone trägt mein Leben ins sich und ich Depp habe immer aufgeschoben, ein Backup zu machen. Nun ist es so wie es ist. Aber mir wird jetzt in vollkommenem Ausmass bewusst, was ich ohne das Smartphone alles nicht mehr machen kann. Denn die eine Sache ist es, kein Telefon zu haben, aber die andere Sache ist die, dass alle Apps auch auf dem Laptop nur noch mit Zweichfach Authentizifierung laufen. Das heißt: Ich kann nicht aufs Banking zugreifen, kein WhatsApp auf dem Laptop, kein Paypal, keine icloud um Kontakte zu finden und auch alle weiteren Apps, die mit dem Telefon verknüpft sind, funktonieren nicht ohne Smartphone.


UND DAS IST DER PUNKT. Leute, wie abhängig sind wir von unserem Telefon? Es ist so verrückt wie das Universum mich in diese Wahrnehmung gepuscht hat. Ich wusste das alles vorher auch in der Theorie aber es nun in der Praxis zu erleben ist was ganz anderes. Ich bin völlig abgeschottet, habe jetzt als Medium noch Facebook (weil ich zum Glück schon vor Verlust des Telefones eingeloggt war) und meinen Email Account. Ich bin quasi zurück in die Vergangenheit gereist, zu dem Moment, wo wir alle noch viel analoger unterwegs waren.

Es ist unfassbar, wie automatisiert wir sind. Wenn das Hauptmedium Telefon wegfällt, kann es sehr mühsam werden. Besonders wenn man so wie ich allein auf einer Insel lebt, wo die Telefone allesamt dem amerikanischen Standarf entsprechen. Glaubt mir, man kann hier nicht so einfach ein Telefon kaufen ohne sich zu informieren ob es auch in der EU funktioniert. Ich habe viel gelernt, unter anderem, das Reis gar nicht helfen soll bei einem nassen Handy. Ich hab es trotzdem probiert, in der Verzweiflung macht man vieles was helfen könnte. Nun steht es als Deko und demütige Erinnerung zwischen den Kristallen hier im Haus in dem ich wohne, und ich hoffe immernoch auf ein Wunder.


Obwohl ein Wunder schon geschehen ist und mir meine liebsten Menschen in der Not beigestanden haben. Ein gebrauchtes neues iphone ist auf dem Weg zu mir und ich weiß: Ab sofort keine Experimente mehr mit Kamera und Salzwasser. Trotz Versprechen, dass die iphone Telefone wasserdicht sind, wird in keiner Silbe erwähnt, dass Salzwasser nicht in die Kategorie der liquiden Elemente zum reinhalten gehört.  Ich war einfach unachtsam und dachte, ach wird schon nichts passieren. Jetzt habe ich den Salat.

Und der Salat schmeckt gar nicht so schlecht, metaphorisch gesprochen, denn ich hab noch mehr Zeit zu schreiben. Kein Handy, worauf ich starren darf, sondern ich orientiere mich nun an dem Stand der Sonne, um zu wissen, wie spät es ist, wann ich nach Hause fahren sollte. Ich sprach immer vom Leben mit den Elementen. Also meine Seele hat mich erhört. Ich glaube sie hat mir insgeheim ins Ohr geflüstert: „Komm schon, halte das iphone noch ein Stück tiefer ans Wasser. Oh jetzt ist es im Wasser, ach egal, film doch einfach weiter, sieht toll aus, na los, wird schon nichts passieren, das Salz wird deine Hardware nicht angreifen und dein Telefon zerstören, ach hab keine Angst!“ So klingt übrigens das Ego, nicht sie Seele. Und doch haben die sich vielleicht verbündet damit ich endlich mal meinem Weg des Schreibens wieder folge.


Während ich diese Zeilen tippe, schlürfe ich Cafe aus meinem neuen Starbucks Hawaii Becher und freue mich des Lebens, denn ich weiß, es geschieht alles aus einem Grund. Und so bitter es ist, dass alles veroren scheint, so kann ich nun wirklich von Null starten, alles neu machen. Und das werde ich, denn diese Krankheit war mein Neubeginn, mein Richtungswechsel, wie diese Karte beim Spiel Uno. Und als mein Handy starb, musste ich „Vier ziehen“ obwohl ich schon fast gewonnen hatte (dachte ich).

Ich habe einen hohen Preis gezahlt um ein sekunden Unterwasser Ausschnitt zu filmen den wahrscheinlich niemand jemals sehen wird. Aber ich bin zuversichtlich, das dieses ganze Story auch einen Gewinn hat, der erst später ausgezahlt wird.


Aloha. Die Handylose Aussteigerin.

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